Oldenburgs Serie hält auch gegen Leverkusen

Text: Ole Rosenbohn / VfL Oldenburg

Die Serie hält und hält. Selbst die absoluten Spitzenteams der Bundesliga können den VfL Oldenburg nicht stoppen. Am gestrigen Mittwochabend (10.3.2010) besiegte der Pokal- und Supercupgewinner den Tabellenzweiten Bayer Leverkusen mit 21:20 (10:9) und festigte seinen dritten Rang vor ProVital Blomberg. Es war bereits das 14. Pflichtspiel ohne Niederlage in Folge. Leverkusen dagegen verlor in der Bundesliga seine erste Partie seit dem 21. Oktober (13 Spiele).



Mit nur 39 Toren sahen 730 Zuschauer in der Oldenburger EWE ARENA die torärmste Begegnung des VfL während der laufenden Saison. Die mit der stärksten Abwehr der Liga ausgestatteten Gäste hatten beim 21:18-Erfolg beim Thüringer HC am 30. Januar einmal weniger Treffer erlebt. "Unglaublich. Wir haben doch schon mal 20 Tore in einer Halbzeit erzielt", stellte Oldenburgs Ulrike Stange nach dem Spiel fest.

Nach zwei Toren von Julia Wenzl (2./3. Minute) jeweils von Linksaußen blieben zunächst beide Gehäuse wie vernagelt. Bei den "Elfen" setzten Anna Loerper (1.) und Laura Steinbach (9.) Strafwürfe an den rechten Außenpfosten, Kreisläuferin Anne Müller zielte zweimal zu hoch (Latte und drüber), und Marlene Zapf prüfte in der zehnten Minute bereits zum vierten Mal die Haltbarkeit der Oldenburger Torlatte. Wenig später hielt VfL-Torfrau Tatiana Surkova bei einem Konterversuch Loerpers bereits ihren fünften Ball. Insgesamt trafen die Gäste acht Mal Pfosten oder Latte, die "in bestechender Form" (Stange) spielende Surkova entschärfte 17 teils gefährliche Würfe. Auf der anderen Seite berührten sieben Oldenburger Bälle das Gestänge.

Zehn Minuten kein Leverkusener Treffer


Den ersten Bayer-Treffer erzielte Loerper nach 10 Minuten und 20 Sekunden per Konter. "Bis zum ersten Tor hatten wir fünf oder sechs Hundertprozentige, da muss man sich doch fragen, was in den Köpfen der Spielerinnen vorgeht", ärgerte sich Bayer-Trainerin Renate Wolf später.

Gut für die Gäste, dass auch der VfL nach dem 2:0 geschlagene neun Minuten ohne Treffer blieb. Erst nach Sabrina Neuendorfs 3:1 (12.) musste die Anzeigetafel in gewohntem Tempo aktualisiert werden. Das Spiel blieb zwar spannend, doch der VfL lag stets vorne (5:4/17., 8:5/23., 10:7/29.).

Leverkusen vertraute mit Erfolg auf eine 6-0-Abwehr, die die jeweils ballführende Oldenburgerin aggressiv anging. Aus dem Rückraum lief beim VfL daher oft wenig, zudem zeigte auch Nationaltorhüterin Clara Woltering ihre ganze Klasse. Auf der anderen Seite stand Oldenburg etwas tiefer als Leverkusen, aber ebenfalls offensiv gegen die Halbspielerinnen der Gäste. Beide Defensivleistungen hatten ein beeindruckend hohes Niveau. Nach Wiebke Kethorns Konter zum 4:1 (13.) nahm Wolf ihre Auszeit.

Herr bringt Belebung

Ab der 20. Minute bekamen die Oldenburgerinnen in der Offensive Unterstützung durch Anita Herr. Die 23-jährige Halbrechte, die fortan entweder Geschke, Neuendorf oder Parchina bei Ballbesitz ersetzte, belebte den VfL-Angriff und ließ sich auch von ihrem ersten vergebenen Siebenmeter nicht irritieren.

Nach der Pause hatte der VfL seine beste Phase. Neuendorf besorgte aus der zweiten Reihe das 13:9 (34.), erst in der 36. Minute kam Leverkusens Halbrechte Laura Steinbach zu ihrem ersten von nur drei Treffern (10:13). Im linken Rückraum war Denisa Glankovicova mit nur einem Tor ähnlich erfolglos. "Weil wir auf den Halbpositionen nicht gefährlich genug waren, musste Oldenburg seine Abwehr nicht öffnen", analysierte Wolf. Die Enge am Kreis machte auch der wieder ins Nationalteam zurückgekehrten Müller zu schaffen, die sich zwar abrackerte, von den Gastgeberinnen allerdings hervorragend verteidigt wurde. In der zweiten Hälfte setzte Wolf zunehmend auf Zapf als Halbrechte und Heike Ahlgrimm. Beide machten den "Elfen"-Angriff gefährlicher. VfL-Coach Leszek Krowicki dagegen ließ bis zum Schluss lediglich die bereits eingesetzten sieben Feldspielerinnen auf die Platte.

Zwei VfL-Tore in Unterzahl

Für die Höhepunkte sorgte weiter der VfL. Julia Wenzls 14:10 (37.) ging ein sagenhafter langer Pass Geschkes voraus. Beim 15:11 (38.) zeigte Herr ihre Qualitäten im Eins-gegen-Eins-Spiel und glänzte wenig später als Vorlagengeberin für Rechtsaußen Stange (16:12/41.).

Danach stockte der VfL-Angriff wieder. Stange traf nur den Pfosten, Geschke warf daneben. Erst in der 45. Minute eroberte Neuendorf einen Ball und traf im Alleingang zum 17:13. Es wurde wieder spannend, weil nun Bayer 04 mehr Erfolgserlebnisse hatte. Surkova hielt weiterhin stark, gegen Katrin Engels Siebenmeter war aber auch sie machtlos. Vor dem 15:17 (47.) musste zudem Geschke für zwei Minuten das Spielfeld verlassen. Oldenburg schien angeschlagen, doch zwei Aktionen Julia Wenzls ließen die Zuschauer jubeln: Erst bediente sie Kreisläuferin Kethorn (18:15), dann traf die 20-Jährige aus der zweiten Reihe zum 19:16 (48.). Zwei VfL-Tore in Unterzahl - und dennoch war der Vizemeister noch nicht geschlagen: Steinbach traf nach schneller Mitte und holte dann den nächsten Strafwurf heraus: 18:19 (50.).

In den letzten zehn Minuten fielen nur noch vier Tore, Chancen für mehr allerdings waren vorhanden: Neuendorf zielte zu hoch (50.), Herrs Durchbruch parierte Woltering (52.), Geschkes anschließender Siebenmeter landete an der Oberlatte und nach hohem Bogen im Spielfeld, auch Wenzls Heber streifte die Latte, später (54.) hatte Neuendorf mit einem Unterlatten-Knaller Pech. Für die ersten Tore sorgten Zapf (19:19, der erste Leverkusener Ausgleich) und Herr im Gegenzug (53.). Fünf Minuten vor Schluss traf Steinbach zum 20:20.

Dramatik bis zum Schluss

Ausgerechnet Geschke, die bei ihren Wurfversuchen aus der zweiten Reihe nicht ihren besten Tag hatte (allerdings auch gut verteidigt wurde), markierte den Schlusspunkt. Nach dem 20:20 landeten noch zwei ihrer Würfe neben dem Leverkusener Tor. Dennoch ließ sich Geschke nicht entmutigen, übernahm weiter Verantwortung und erzielte 73 Sekunden vor dem Ende aus etwa sieben Metern das alles entscheidende 21:20. Zuvor landete auch ein Versuch Neuendorfs bei angezeigtem Zeitspiel an der Latte (58.).

Auch die befragten Leverkusener Spielerinnen stuften den VfL-Sieg als "verdient" ein, knapper hätte die Partie aber nicht enden können. Zweimal noch berührte der Ball nach Steinbach-Würfen das Oldenburger Gestänge: Erst lenkte Surkova den Ball an den Innenpfosten. Dann - beim letzten auszuführenden Freiwurf - schaffte es die Nationalspielerin per Knickwurf, den Ball an der VfL-Mauer vorbei zu werfen. Wieder landete der Ball am Pfosten. Es war das spektakuläre Ende eines höchst unterhaltsamen Handballspiels.

Stimmen

Leszek Krowicki, Trainer VfL: Wir haben in einer Partie mit zwei starken Abwehrreihen die Nerven behalten. Nur so kann man gegen einen so starken Gegner gewinnen. Ich habe eine Klasse-Leistung meiner Mannschaft gesehen, die gegen einen Meisterschaftsfavoriten mehr als nur auf Augenhöhe gespielt hat. Unsere Defensivleistung hatte höchstes Niveau, wir haben agiert statt zu reagieren und haben uns nie abkochen lassen. Auch die Kommunikation in der Abwehr hat perfekt funktioniert.

Renate Wolf, Trainerin Leverkusen: Das war ein verdienter Sieg für den VfL. Wir haben zu spät ins Spiel gefunden. Den formierten Oldenburger Angriff hatten wir gut im Griff. Aber weil uns vorne selber zu wenig gelungen ist, konnten wir die Konter Oldenburgs nicht unterbinden. Jetzt beginnt die heiße Phase der Saison. Wichtig ist, dass wir uns bald vollständig auf das Sportliche konzentrieren können, dafür müssen wir vollständig Klarheit in der Personalplanung für die kommende Saison haben. Ich hoffe sehr, dass wir bald so weit sind.

Ulrike Stange, VfL: Das war eine Abwehrschlacht mit einem glücklichen Ende für uns. Wir sind zurzeit wirklich gut drauf. Unsere Serie ist mir allerdings total egal, denn dafür können wir uns nichts kaufen. Ich denke nur von Schritt zu Schritt.

Lyn Byl, Bayer 04: Unsere Torquote heute war katastrophal. Das war kein Pech, das war Unvermögen. Grundsätzlich war das spiel natürlich nicht so wahnsinnig wichtig, wir bleiben ja ziemlich sicher Zweiter. Aber Selbstvertrauen für die Playoffs holen wir uns mit solchen Auftritten nicht.


VfL Oldenburg: Surkova (17 Paraden), Renner (bei einem Siebenmeter) - Wenzl 5, Geschke 3, Neuendorf 5, Parchina, Stange 1, Kethorn 2, Herr 5/2, Hetmanek n.e., Burde n.e., Barger n.e.

Bayer Leverkusen: Woltering (16 Paraden), Knipprath (bei einem Siebenmeter) - Garcia Almendaris 2, Glankovicova 1, Loerper 1, Steinbach 3, Zapf 2, Müller 1, Byl 1, Engel 5/4, Ahlgrimm 3, Böninghausen 1, Glaser n.e., Schückler n.e.

Siebenmeter: 6/2 (Neuendorf und Geschke jeweils an die Oberlatte, Herr einmal drüber und einmal an den Pfosten) - 6/4 (Loerper und Steinbach an den Außenpfosten).
Zeitstrafen: 1 (Geschke) - 2 (zweimal Loerper).

Schiedsrichter: Bernd und Rainer Methe aus Vellmar.
Zuschauer: 730 in der EWE ARENA.

Quelle:www.vfl-oldenburg.de